Friedenspark Hamm-Herringen

Von Konstanze Schiedeck

Täglich erreichen uns Nachrichten von Krieg und feindlichen Auseinandersetzungen aus aller Welt.
Weniger häufig erfahren wir von Menschen, die sich bewusst für Frieden und die Erhaltung friedlichen Zusammenlebens einsetzen.
Zwei dieser nachahmenswerten Beispiele, die nur in der regionalen Presse Aufmerksamkeit erfahren haben, seien erwähnt: Der Friedenspark in Hamm-Herringen, den Frau Benigna Grüneberg zusammen mit West.Kunst e.V. eingerichtet hat und die Ausstellung Frieden und Miteinander des Kirchenkreises Hamm in der Pauluskirche.
Der Friedenspark, gelegen an der Dortmunder Straße Ecke Fritz-Husemann-Straße, ist ein kleiner Park, umtost von starkem Autoverkehr. Kräftige Bäume ragen in einem Rund in den Himmel. Hier stand einst ein Mahnmal für die Gefallenen des 1. Weltkrieges. Es wurde in den Neufchâteaupark verlegt. Nun erinnern 15 Tafeln, 30 x 40 cm groß, an 15 Friedensnobelpreisträger. Jede einem Baum zugeordnete Tafel enthält ein Portrait, Lebensdaten und einen prägnanten Ausspruch.

Die Gestaltung des Friedensparks entstand innerhalb von vier Jahren und fand im September 2018 ihren Abschluss. Aus der Reihe der Friedensnobelpreisträger von 1901 bis 2017 finden wir auch Albert Schweitzer, für den bereits im Mai 2017 Konstanze Schiedeck die Laudatio gehalten hatte. Gesponsert wurde die Tafel vom Ehepaar Karl H. und Ingrid Dörge aus Herringen, die folgendes Zitat ausgesucht hatten: „Lambarene ist meine Improvisation, ein Spital in Afrika. Aber das bleibende Haus, so hoffe ich, wird mein Denken sein. Das Spital in Afrika kann untergehen. Aber nicht soll untergehen das geistige Gebäude meines Denkens von der Ehrfurcht vor dem Leben, die Voraussetzung für Aufbau und Bestand menschlicher Kultur der Menschheit.“
Schweitzer hatte den Friedensnobelpreis 1953 rückwirkend für 1952 erhalten, konnte das Preisgeld aber erst am 4. November 1954 in Oslo in Empfang nehmen. Er war die dritte deutsche Persönlichkeit, der diese Auszeichnung zugedacht worden ist. Zuvor hatten Gustav Stresemann (1878-1929) und Ludwig Quidde (1858-1941) 1926 und 1927 diese Ehrung erfahren. Erst 1971 wurde wieder ein Deutscher, nämlich Willy Brandt (1913-1992), mit dem Friedenspreis ausgezeichnet.
Auch Brandt gehört zu den 15 Auserwählten, die in Herringen im Park mit einer Erinnerungstafel aufgenommen worden sind.
Zuvor waren Nelson Mandela, Desmond Tutu, Martin Luther King, Jitzhak Rabin, Michail Gorbatschow, Nathan Söderblom, Dag Hammerskjöld, Jane Addama, Kailash Satyarthi, Malala Yousafzai für ihren Einsatz zu Frieden und Völkerverständigung ausgewählt worden. Als Letzte wurden Bertha von Suttner, Henry Dunant, Frederic Passé hier gewürdigt. Mit ihrer Ehrung wurde auch eine Engelsskulptur von ENCIU (Künstlername) aufgestellt. Ein von den Straßen sichtbares Zeichen für alle, die in den Park hineinschauen.

Auch der Kirchenkreis Hamm hatte anlässlich der 100-jährigen Wiederkehr der Beendigung des 1. Weltkrieges zu einer Friedensveranstaltung mit dem Titel Besiegte Menschheit in die Stadtkirche eingeladen. Jochen Schmidt, der Projektleiter der Friedensbibliothek von Berlin-Brandenburg, eröffnete die Ausstellung, die gut 250 Bilder ausweist, auf denen sowohl Persönlichkeiten der Zeitgeschichte von 1900 bis 1918 zu sehen sind als auch deren Aussagen zu Krieg und Frieden. Diese Zeitdokumente erschüttern, führen sie doch vor Augen, wie immer schon um den Frieden gerungen wurde. Doch Frieden bekommen wir nicht umsonst, er ist „das Meisterstück des Denkens“, so Immanuel Kant, den Monika Simshäuser, Bürgermeisterin und Schirmherrin der Friedensinitiative, zitierte.
Frau Benigna Grüneberg sprach über eigene Erfahrungen, die sie mit Soldatenfriedhöfen gemacht hat und las aus dem Appell von Michail Gorbatschow: Kommt endlich zu Vernunft – Nie wieder Krieg eine bewegende Passage vor.
„Was unsere Zeit nötig hat, ist nicht eine Politik der Stärke, sondern eine Politik des auf Frieden bedachten Verhandelns“ schrieb Schweitzer in einem Brief an John F. Kennedy. Aber nötig sind auch die Initiativen, die von jedem von uns ausgehen können. Mit dem Friedenspark in Hamm-Herringen haben Frau Benigna Grüneberg und all ihre Mitstreiterinnen ein sichtbares Zeichen geschaffen, das hoffentlich von vielen Besuchern wahr genommen werden wird. Für sie trifft ein Ausspruch Schweitzers zu: „Der Friede Gottes ist nicht Ruhe, sondern treibende Kraft.“ (Straßburger Predigten)