Beginn der Bauarbeiten im Neuen Spital 2012

Als Neues Spital bezeichnet man das in den Jahren 1976 bis 1981 erbaute Krankenhaus, das das von Schweitzer ab 1925 errichtete und bis zu seinem Tod ständig erweiterte Alte Spital ablöste. Es wurde am 17. Januar 1981 feierlich eingeweiht.

Als einer der letzten Neubauten war die Entbindungsstation (Maternité) fertiggestellt worden. Die Hebamme Eliane Lehmann schrieb damals:
„Alle seine Räume sind luftig und hell, da weiße Plättchen bis zu einer Höhe vom 1m85 die Wände bedecken, oberhalb sind sie mit einer hellblauen Farbe bestrichen. Ähnlich ist der breite zentrale Gang. Der Fußboden besteht aus Steinplatten.

Der wichtigste Raum ist ohne Zweifel der Gebärsaal mit Dusche und WC. Er ist klimatisiert, geräumig und praktisch eingerichtet. Zwei, sogar drei Geburten können gleichzeitig vorgenommen werden (2 kommen vor, aber nur selten). Natürlich ist er mit elektrischem Licht versehen, wie alle anderen Räume auch. Aus dem Wasserhahn fließt Trinkwasser dank der Pump- und Filtrierstation, die am Ogowe-Ufer bei der Kinderklinik aufgebaut ist. 24 werdende Mütter können in unserer Maternité aufgenommen werden in 2 Einzelzimmern mit Dusche und WC und in 11 Zimmern zu 2 Betten. Jedes Krankenzimmer hat Zugang von außen. In 20-30 Jahren werden die Bauten des neuen Spitals immer noch modern sein“.

Es sind nun mehr als 30 Jahre vergangen, und die Entbindungsstation wie auch die anderen Gebäude des Neuen Spitals haben dem tropischen Klima und der starken Belastung deutlichen Tribut zollen müssen. So steht beispielsweise rund 400 Geburten Anfang der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts heute die dreifache Zahl gegenüber. Deshalb dachte die Internationale Spitalstiftung FISL bereits seit einigen Jahren über die Renovierung der Krankenhausbauten nach, doch es schien ausgeschlossen, dass die Stiftung die geschätzten Gesamtkosten von 4-6 Millionen Euro selbst aufbringen kann.

In dieser Situation kam einmal mehr die Schweiz dem Spital zur Hilfe, die bereits das Gebäude von 1981 finanziert hatte. Die Präsidenten der drei Rotary-Distrikte der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein proklamierten die Sanierung der Maternité als gemeinsames nationales Projekt für 2011/12 und baten die rund 12 000 Club-Mitglieder um Unterstützung. Der Kostenbedarf von 500 000 Schweizer Franken konnte auf diese Weise gedeckt werden.

Am Nachmittag des 12. Juli 2012 rückten die Baufahrzeuge an, und vor dem völlig entkernten Gebäude fand eine kleine Zeremonie statt, bei der auch wie in Gabun üblich die Geister beschworen wurden, die Arbeiten ohne Zwischenfälle vonstattengehen zu lassen. Diese begannen am folgenden Morgen mit dem Entfernen des Wellblechdaches und des Gebälks – Wellblech und Holz wurden den Spitalmitarbeitern zum persönlichen Gebrauch überlassen -, und dann riss schweres Gerät die Mauern ein, denn ein Abriss mit anschliessendem Neubau hatte sich als kostengünstiger erwiesen als eine Renovierung.

Wenn alles wie geplant verläuft, wird die Entbindungsstation rechtzeitig zu den Feierlichkeiten des Jubiläumsjahres 2013 aus ihrem Provisorium im Gebäude der Chirurgischen Klinik I in die neuen Räume einziehen können. Und damit ist ein wichtiges Zeichen gesetzt worden für die Erneuerung der übrigen Spitalbauten. Der Staat Gabun ist offensichtlich stark an einer Renovierung der über 30 Jahre alten Krankenhausbauten interessiert und möglicherweise bereit, sich auch finanziell zu engagieren. Weitere Mittel, so ist zu hoffen, könnten aus den Erträgen des Jubiläumsjahres 2013 in dieses Projekt fließen.

Dr. Roland Wolf