Zukunft der Notaufnahme im Spital

Von Harald Kubiczak

An einem Abend im September fährt gegen 21.30 Uhr ein Konvoi aus Privatwagen und Buschtaxis mit lautem Hupen zur Notaufnahme des Spitals. Schnell wird klar, dass es sich hier um eine Ausnahmesituation handelt: 73 zum Teil schwer Verletzte Jugendliche werden an diesem Abend eingeliefert. Alle sind Opfer des unsicheren nächtlichen Straßenverkehrs. Sie hatten nach einem Fußballspiel mangels öffentlicher Verkehrsmittel einen völlig überfüllten Anhänger eines Traktors bestiegen, der sie nach Lambarene bringen sollte. In einer Kurve löste sich der Anhänger, stürzte um und begrub viele der jungen Leute unter sich.

An diesem Abend arbeiten alle verfügbaren Ärzte und Krankenpfleger bis zur Erschöpfung. Die Bilanz: Vier der Verletzten waren bereits tot, als sie ins Spital gebracht wurden, zwei Opfer schwebten auch nach der Notoperation noch in akuter Lebensgefahr. Nach zahlreichen Operationen konnten auch die schwersten Fälle gerettet werden.

Die Bilanz zeigt aber auch, dass in Albert Schweitzers Krankenhaus noch heute ein wesentliches Prinzip seines Gründers Bestand hat, dass eben kein Notfall abgewiesen wird und von vorheriger Bezahlung abhängig ist. Ein wesentlicher Unterschied zum staatlichen Regionalkrankenhaus, das in dieser Hinsicht so verfährt wie wohl die meisten Kliniken in Zentralafrika.

Auch und gerade die Notaufnahme des Spitals ist ein wichtiger Eckpfeiler dieser beispielhaften Gesundheitsversorgung, die nur durch die Spenden der internationalen Hilfsvereine möglich ist. Ein Blick auf nüchterne Zahlen macht es deutlich. Lag die Zahl der Patienten in der Notaufnahme des Albert-Schweitzer-Spitals im Jahr 2007 noch bei knapp unter 3000, so hat sie im Jahr 2010 bereits 4000 Behandlungen überschritten. Dies entspricht einem Durchschnitt von elf Patienten täglich. Ein Zuwachs also um gut 25 Prozent gegenüber 2007.

Nicht gestiegen sind in diesen Jahren allerdings die personellen, räumlichen und technischen Ressourcen, die solche Leistungen ermöglichen. So fehlt seit langem ein Notfallarzt für die Notfallaufnahme. Dies gelang nur kurzzeitig mit einem begrenzten Aufenthalt einer Ärztin im vergangenen Jahr.

Das soll sich zukünftig ändern. Ziel ist es, mit einem eigenständigen Investitionsprojekt des Deutschen Hilfsvereins für das Albert-Schweitzer-Spital eine deutliche Verbesserung der Notaufnahme einzuführen. Das Projekt umfasst drei Teile:

1. Die Umwandlung eines Büroraums in ein neues Behandlungszimmer für weniger schwere Notfälle, die weniger als 24 Stunden überwacht werden müssen.

2. Eine Verbesserung der Klimatisierung der Notfallaufnahme und die teilweise Ausstattung mit Wandfliesen, damit eine Verbesserung der Hygiene in der Station erreicht werden kann.

3. Die Einstellung eines Notarztes, auch um das übrige Team der Ärzte in ihrem umfangreichen medizinischen Alltag zu entlasten und auch die Wartezeiten für Patienten zu verkürzen.

Der Deutsche Hilfsverein hofft, dass mit dem aktuellen Spendenaufruf dieses dringend nötige Investitionsprojekt umgesetzt werden kann. Es wird die Situation der Menschen Vorort nochmals nachhaltig verbessern, da für sie Schweitzers Spital ohnehin oft die einzige Anlaufstelle ist. Daneben wird es auch zu einer deutlichen Verbesserung des gesamten Klinikbetriebs beitragen, der bereits jetzt in seiner Vielseitigkeit ein mustergültiges Beispiel auf dem afrikanischen Kontinent darstellt. Alles dies gelingt auch dank der regen Beteiligung unserer treuen Spender.