Grenzenlose Menschlichkeit, Tafel 13

United4Rescue Dokumentationsausstellung Tafel 13

Ein Beispiel lokaler Flüchtlingsarbeit

Flüchtlingsarbeit im Evangelischen Kirchenbezirk Ortenau

Vorgestellt von der Kirchenbezirksbeauftragten für Flucht und Migration im Evangelischen Kirchenbezirk Ortenau Gabriella Balassa

In der Ortenau leben wir in einer vielfältigen Gesellschaft, geprägt durch die deutsch-französische Grenze, mit verschiedenen religiösen Überzeugungen und kulturellen Prägungen. Respektvoller Umgang miteinander, interkulturelle Öffnung und Teilhabe sind zentrale Anliegen unserer diakonischen Arbeit. Durch Integrationsangebote und Begegnungsmöglichkeiten fördern wir das Miteinander aller Menschen, die in der Ortenau leben.

Seit 2015 gehören zu uns mehr Menschen mit Fluchterfahrung. Die Fürsorge für Flüchtlinge und Migranten gehört zum Selbstverständnis der  Evangelischen Kirche. Unsere christliche Identität wird gerade dann sichtbar, wenn wir Geflüchtete, die in unserem Land Zuflucht suchen, respektvoll und mit Gastfreundschaft behandeln.

„Ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen“ (Mt 25,35)

In Anbetracht des Leidens an unseren europäischen Grenzen spricht diese Zeile aus dem Matthäus-Evangelium jeden von uns ganz unmittelbar an.

Mit Hilfe des Maßnahmenpakets für Flüchtlinge der Evangelischen Kirche Baden haben wir 2016 in der Ortenau die für Flüchtlingsarbeit erforderlichen Strukturen ausgebaut.

Beim Diakonischen Werk wurden die kirchlich-diakonischen Fachberatungen eingerichtet und beim Kirchenbezirk die Stelle der Kirchenbezirksbeauftragten ins Leben gerufen.

Unsere Arbeit für und mit Geflüchteten hat ein breites Spektrum:

Begleitung – Begegnung – Beratung – Bildung – Beistand

Begegnung: Das kirchliche Engagement für Geflüchtete legt einen
besonderen Wert auf menschliche Begegnung und persönliche Begleitung. Zahlreiche Ehrenamtliche, die sich für die Anliegen schutzsuchender Menschen engagieren, prägen die kirchliche Flüchtlingshilfe. Sie eröffnen Asylsuchenden den ersten Zugang zur deutschen Gesellschaft, zu unserer Sprache und vermitteln ihnen das Gefühl von Sicherheit.

Ehrenamtsbegleitung: Gerade dann, wenn die freiwilligen Helfer mit den Grenzen ihrer Möglichkeiten konfrontiert werden, brauchen auch sie eine qualifizierte Begleitung. Die Fachberatungen und die
Kirchenbezirksbeauftragte stehen ihnen in diesen Momenten als kompetente Ansprechpartner zur Seite und bieten professionelle Schulungen an.

Beratung: Die kirchlich-diakonischen Fachberatungen, angesiedelt beim Diakonischen Werk, unterstützen Ehrenamtliche und Geflüchtete bei Fragen zum Asylverfahren, Aufenthaltsrecht, informieren über Sprachkurse und helfen den Zugang zu Schule und Beruf zu finden. Gerne sind unsere Kolleginnen und Kollegen vor Ort wenn Freundes- und Asylkreise, Kirchengemeinden, Kommunen, Einrichtungen oder Netzwerke Unterstützung suchen. Geflüchtete können selbstverständlich auch unsere weiteren Beratungsangebote in Anspruch nehmen, wie die Migrationsberatung für Erwachsene, den Jugendmigrationsdienst, die Schwangerschaftsberatung oder die kirchliche allgemeine Sozialarbeit, wenn sie ein Anliegen in diesen Bereichen haben.

Bildung: Unsere hauptamtlichen Mitarbeitenden wirken bei Informationsveranstaltungen mit, helfen bei der Öffentlichkeitsarbeit und bieten Fortbildungen an. Auch eine intensive Vernetzung mit nichtkirchlichen Akteuren in der Flüchtlingshilfe ist uns ein wichtiges Anliegen.

Beistand: Viele Geflüchtete bedürfen durch ihre Fluchtbiografie der Seelsorge im weiteren Sinne. Überall dort, wo Menschen an ihre existentiellen Grenzen stoßen, können sie auf den Beistand kirchlicher Seelsorger zählen. Wir sind für sie da.

Fürsprache: Wir leisten Akzeptanz- und Lobbyarbeit in enger Zusammenarbeit mit unseren Kirchengemeinden, staatlichen Akteuren und ehrenamtlichen Initiativen. Wir tragen dazu bei, dass Rechte und Chancen von Schutzsuchenden gestärkt werden, dass Diskriminierung abgebaut und dass eine Haltung von Gleichberechtigung und Respekt gefördert wird.

Beschreibung der Bilder:

13.1  Begegnungsprojekt des Diakonisches Werkes in Kehl: 20 Schüler*innen des Einstein Gymnasiums und der Beruflichen Schulen Kehl, hunderte Bilder, vielfältige Emotionen: Ein Schuljahr lang haben sich Jugendliche getroffen, ihre Welt und Träume in Bildern festgehalten. Sie kommen aus Syrien, dem Iran, Afghanistan und Deutschland. Ihre Verbindung: Kehl – ihre alte oder neue Heimat. Über die Sprache und Kraft der Fotografie haben sie einen Raum gefunden, miteinander ihr alltägliches Leben zu teilen, ihre Fluchterfahrungen, Lebensansichten und Träume greifbar zu machen und in die Zukunft zu schauen.

13.2. Begegnungscafé in der Interkulturellen Woche auf dem Kehler Marktplatz vor der Friedenskirche. Jedes Jahr lädt der Arbeitskreis Familienbildung beim Kaffee und Kuchen zum gegenseitigen Kennenlernen und offenen Gesprächen ein.

13.3  Ausstellung „Schau mich an“ mit Portraits und Lebensgeschichten von Geflüchteten in der Evangelischen Kirche in Haslach. Die Fotografin Ingrid Vielsack hat in stundenlangen Gesprächen das Vertrauen der Geflüchteten gewonnen und mit ihnen zusammen an Porträtfotos gearbeitet. Entstanden ist eine Serie von Bildern und Geschichten, die die individuellen Schicksale eindrücklich vor Augen stellt. Projektträger ist die Evangelische Erwachsenenbildung Ortenau.

13.4  Vorbereitung eines Fotoshootings. Auf 19 großflächigen Tafeln werden geflüchtete Frauen aus Syrien, dem Iran, Afghanistan, Indien, Sri Lanka, Afrika und anderen Ländern so dargestellt, wie sie gesehen werden wollen. Sie lassen sich von der Make-up-Artistin Alexandra Döring beraten und professionell stylen. Die Ausstellung mit dem Titel „Ich Gefühl“ wird an verschiedenen Orten im und außerhalb des Ortenaukreises präsentiert. Projektträger ist die Evangelische Erwachsenenbildung Ortenau.

13.5  Gruppe des Demokratieprojekts Neuland Wahl aus Kehl im Europaparlament Straßburg. Junge Geflüchtete und Migrant*innen werden in ihrem politischen Verständnis und Wirken gestärkt. Bei Exkursionen nach Berlin, Stuttgart, Straßburg und in die Vogesen entdecken sie politische Orte, diskutieren mit Abgeordneten, nehmen an Migrantenwahlen teil und stellen politische Forderungen auf. Projektträger ist das Diakonische Werk im Evangelischen Kirchenbezirk Ortenau.

13.6  Einfach Danke sagen – das steht beim Sommerfest für die ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer in der Niedereichhalle in Kehl Sundheim im Mittelpunkt. Den Veranstaltern vom Diakonischen Werk, dem Caritasverband, dem Landratsamt Ortenaukreis und der Initiative Flüchtlinge ist es wichtig, den Einsatz der Freiwilligen gebührend zu würdigen und Raum für neue Begegnungen zwischen Geflüchteten und interessierten Bürger*innen zu schaffen.

13.7  Bildungsprojekt für junge Geflüchtete in Oberkirch zum Thema „Deutsche Geschichte“. Die Teilnehmer besuchen u.a. das DDR-Museum in Pforzheim, ein Arbeitslager im Schwarzwald aus der NS-Zeit und schauen Filme wie „Good bye Lenin“ zusammen an. In Diskussionen und Gesprächen zu aktuellen politischen Themen mit Ehrenamtlichen und Mitarbeitern des Diakonischen Werkes lernen die jungen Geflüchtete viel über deutsche Geschichte dazu, das nicht in den Schulbüchern steht. Projektträger war das Diakonische Werk.

13.8  Erstorientierungskurs in der Gemeinschaftsunterkunft in Gengenbach: Wo ist die nächste Post? Wie kauft man beim Automaten eine Fahrkarte? Im Kurs erhalten Geflüchtete erste Deutschkenntnisse und wichtige Informationen, damit Sie sich in Deutschland zurechtfinden können.

13.9  Mit Unterstützung von Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen des Diakonisches Werkes Lahr machen fünf jungen Menschen aus Afrika das deutsche Sportabzeichen. Die Jugendlichen kommen aus einem Kontinent, jedoch jeder aus einem anderen Land: Eritrea, Gambia, Togo, Guinea und aus Benin. Die Teilnehmer starten mit viel Freude und dem nötigen Ehrgeiz in die verschiedenen Disziplinen und schaffen alle nach fleißigem Training das silberne Sportabzeichen. Die Abzeichen werden in einer kleinen, feierlichen Runde vom Ersten Bürgermeister Guido Schöneboom aus Lahr den Teilnehmern überreicht.

13.10  Ein Schwimmkurs im Terassenbad Lahr für junge Erwachsene auch in Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen. Für viele Geflüchtete war auf der Flucht der Kontakt mit dem Wasser ein sehr traumatisches Erlebnis und sie kämpfen bis heute mit dem Trauma, das sie bei der Überquerung des Meeres erlitten haben. Es braucht viel Zeit und noch mehr Vertrauen, bis sie sich auf einen Schwimmkurs einlassen können.


Im Bündnis mit United4Rescue stellt die Stiftung Deutsches-Albert-Schweitzer-Zentrum eine Dokumentationsausstellung über die Seenotrettung und die Flüchtlings- und Migrationshilfe der Diakonie vor.

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