Grenzenlose Menschlichkeit, Tafel 1

United4Rescue Dokumentationsausstellung Tafel 1

United4Rescue ist ein gemeinnütziger, unabhängiger Verein, der die zivile Seenotrettung im Mittelmeer unterstützt und hilft, Leben zu retten. Mithilfe von Spenden haben wir bereits drei Rettungsschiffe, Humanity1, Sea-Watch-5 und Sea-Eye 4 in den Einsatz gebracht und viele  Rettungseinsätze ermöglicht. Zugleich ist United4Rescue ein breites Bündnis hunderter Organisationen, die die Überzeugung eint, dass man keine Menschen ertrinken lässt. Das Bündnis setzt sich öffentlich für Seenotrettung und sichere Fluchtwege ein und vertritt vier Forderungen:

  • I.   PFLICHT ZUR SEENOTRETTUNG
  • II.  KEINE KRIMINALISIERUNG
  • III. FAIRE ASYLVERFAHREN
  • IV.  SICHERE HÄFEN ERMÖGLICHEN

Folgende Schiffe sind derzeit direkt für United4Rescue im Mittelmeer unterwegs:  Humanity 1 (ehemals Sea-Watch 4) , Sea-Watch 5 und  Sea-Eye 4 (Bilder 1.1 bis 1.4). Über dem Bündnis steht der auf dem Evangelischen Kirchentag ausgesprochene Satz: Man lässt keine Menschen ertrinken. Punkt.

Die Sea-Watch 4 war das erste Schiff von United4Rescue für die zivile Seenotrettung. Gemeinsam mit Sea-Watch e.V. haben wir es 2020 in den Einsatz gebracht.

Die zivile Seenotrettung ist notwendig, um mit akuter Nothilfe der staatlich verursachten humanitären Katastrophe entgegenzuwirken. Das Handeln der europäischen Staaten ist völkerrechtswidrig und führt dazu, dass tausende von Menschen auf ihrer Flucht, verursacht durch gewaltsame Verfolgung, Kriege, Armut, Unrecht und Klimawandel, in Seenot geraten.

United4Rescue unterstützt die zivile Seenotrettung und arbeitet eng mit verschiedenen Organisationen darunter auch Sea-Watch e.V. und Ärzte ohne Grenzen zusammen. Der von uns postulierte Satz „Solange die Politik versagt, handeln wir“ bringt unser Vorhaben auf den Punkt. Europa und seine Nationalstaaten betreiben eine Flüchtlingspolitik, die auf Abwehr von Geflüchteten gerichtet ist. Würde die europäische Politik menschlich ausgerichtet sein und den Regeln des Völkerrechts entsprechen, wäre unser Einsatz nicht notwendig. Der ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Dr. Bedford-Strohm (Video 2019) sagte es so: “Alle Menschen, die auf ihrem Weg über das Mittelmeer ertrinken, haben Schutz und eine menschenwürdige Zukunft für sich und ihre Familie gesucht. Solange die Fluchtursachen nicht bekämpft werden können und staatliche Seenotrettung fehlt, ist sie (Ergänzung AK Flucht: die zivile Seenotrettung) unsere humane Pflicht“.  Dieser 2019 ausgesprochene Satz gilt nach wie vor.

Michael Schwickart, Mitinitiator und  Gründungsmitglied von United4Rescue betonte:  „Ich bin überzeugt, dass es eine Möglichkeit gibt, das Sterben im Mittelmeer zu beenden, wenn der politische Wille da ist. Solange das nicht der Fall ist, müssen wir handeln. Wir dürfen uns an ertrinkende Menschen nicht gewöhnen. Deswegen bin ich umso dankbarer, wie viele Institutionen unser Bündnis bereits in der Startphase unterstützen und noch folgen werden. Wir werden eine sichtbare Mehrheit, darauf kommt es an!“

Dass Menschen auf ihrer Flucht zu tausenden an der Seegrenze zu Europa sterben, ist eine humanitäre Katastrophe und Ausdruck des ethischen Verfalls Europas, wie dies Albert Schweitzer in seiner kulturphilosophischen Schrift „Wiederaufbau und Verfall“ beschrieben hat. Mit jedem ertrinkenden Flüchtling gehen auch die europäischen Werte unter. An den europäischen Außengrenzen werden vielfach Menschenrechte gebrochen. Geflüchtete werden ohne Zugang zu Asylverfahren zurückgewiesen, auf dem Meer ausgesetzt und eingesperrt, wenn sie nicht zuvor auf ihrer Flucht über das Mittelmeer ertrunken sind.

Europa schafft sich ab

Mit Blick auf diese Situation äußert sich Erik Marquardt, Mitglied des Europäischen Parlamentes, Flüchtlingshelfer und Fotojournalist. Er schrieb in seinem 2021 veröffentlichten Buch > EUROPA SCHAFFT SICH AB< : „Wenn ich davon spreche, dass Europa sich abschafft, dann will ich damit eine Warnung aussprechen. Denn auch in den eigentlich robusten und wehrhaften Demokratien der Europäischen Union gibt es einen besorgniserregenden Trend, Grundprinzipien wie Rechtsstaatlichkeit Menschenrechte und die Achtung der Menschenwürde zu misachten – und zwar ausgerechnet im Umgang mit den Schwächsten. Europa verfügt über die Ressourcen, Schutzsuchende deutlich besser zu behandeln und sollte sich vor dem Hintergrund seiner Geschichte diesen demokratischen Grundprinzipien tief verpflichtet fühlen. Und doch wurde ich in den vergangenen Jahren Zeuge einer rücksichtslosen Machtpolitik, habe Schikanen, offensichtliche Lügen und Verbrechen beobachten müssen. Meine Arbeit in der Politik hat mich gelehrt, wie brüchig das Fundament der Demokratie in Europa ist. Wie wir mit den Schwächsten (*Anmerkung der Redaktion: dazu gehören in besonderer Weise gehören auch Flüchtlinge) umgehen, zeigt, wie stark wir sind.“ 

Die humanitäre Katastrophe auf dem Mittelmeer hat die Kampagne „Drowned Requiem“ eindrucksvoll aufgegriffen, die die Agentur Philipp und Keuntje im November 2020 honorarfrei gemeinsam mit United4Rescue umgesetzt hat. Die dänische Performancegruppe „Between Music“ hat für diese Kampagne die europäische Hymne „Ode an die Freude“ vom Grund des Mittelmeeres gespielt – symbolisch für den Untergang der europäischen Werte und als Requiem in Gedenken an die vielen Menschen, die auf ihrer Flucht über das Mittelmeer ertrunken sind. Mit der Kampagne wurden Spendengelder gesammelt, die maßgeblich den Kauf und Umbau des neuen Rettungsschiffes SEA-EYE 4 ermöglichten, welches im Mai in seinem ersten Einsatz 408 Menschen gerettet hat. Außerdem gab es eine Petition an die EU-Ratspräsidentin Ursula von der Leyen. Das Video zu „Drowned Requiem“ ist hier verfügbar: https://youtu.be/cKED6cGDyQg

Zusammen mit Michael Schwickart (bei der Taufe des Rettungsschiffes Sea-Eye 4 Anfang 2021) ist bei United4Rescue seit Jahren ein Team von Menschen aktiv, die leidenschaftlich für Menschen auf der Flucht eintreten und sie vor dem Ertrinken retten. Hinter United4Rescue steht das großartige Engagement der Gründungsmitglieder des Vereins sowie eine haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterschaft. Sie handeln, solange eine europäische Seenotrettung fehlt.

S e e b l o c k a d e

Italien und Malta tun sich immer wieder durch Seeblockaden hervor. Immer wieder und anhaltend werden die Schiffe der zivilen Seenotrettung, so auch Schiffe von United4Rescue, am Einschiffen mit geretteten Flüchtlingen und am Auslaufen gehindert.  Hinter der Seeblockade steckt politisches Kalkül. Sie ist Ausdruck einer unmenschlichen Mentalität, die auf Abwehr von Flüchtlingen ausgerichtet ist. Durch das Blockieren der Schiffe wird das Überleben vieler Menschen aufs Spiel gesetzt.  Zur Taktik der Seeblockade gehört auch die Kriminalisierung der Seenotrettung, um das Engagement von Menschen, die Flüchtlinge vor dem Ertrinken retten, zu blockieren. Wer die Seenotrettung behindert oder verhindert, verstößt gegen internationales Recht. Die Behinderung und Verhinderung der Seenotrettung ist kriminell. Jeder Mensch, der in Seenot geraten ist, muss gerettet werden. Das Internationale Seerecht schreibt dies vor.  Die Bestimmungen gelten unabhängig von der Nationalität einer Person oder ihrem Status und den Umständen, unter denen diese sich  befindet. Es ist auch in höchstem Maße unmoralisch, das Leben von Menschen durch die Blockade von Schiffen der Seenotrettung zu riskieren.

Mit deutlichen Worten hat Bischof Dr. Bedford-Strohm zum Einsatz für die Seenotrettung im Mittelmeer aufgerufen. „Jeder kann etwas tun, auch kleine Aktionen helfen“, sagte der Bischof. Das Thema der geflüchteten Menschen, die im Mittelmeer ertrinken, müsse noch sichtbarer werden. Gemeinsam mit Michael Schwickart von „United4Rescue“, forderte er eine sofortige humanitäre Lösung: „Es geht hier um Menschen.“ Die Pandemie habe Europa gezeigt, „dass massive Krisen nur zu bewältigen sind, wenn Mitgefühl, Solidarität, kurz: Menschlichkeit mobilisiert werden kann“, sagte er. Das müsse auch bei der Seenotrettung und Aufnahme der Geretteten in Europa möglich werden.

In einer neuen Welle der Festsetzungen blockiert die italienische Regierung die Rettungsschiffe Humanity 1, Sea-Watch 5 und Sea-Eye 4 – nach der Rettung von über 390 Personen. Alle drei Schiffe sind Teil des Bündnis United4Rescue, getragen durch die evangelische Kirche und über 900 Partner:innen. Die im Falle der Sea-Eye 4 60-tägige Blockade, eskaliert die Behinderungsmaßnahmen gegen die zivile Flotte. Zusammen mit der 20-tägigen Festsetzung der Sea-Watch 5 und Humanity 1, werden die Rettungsschiffe für insgesamt 100 Tage aktiv aus dem Mittelmeer ferngehalten. Seit Januar 2023 waren insgesamt neun Schiffe der zivilen Flotte in 19 Festsetzungen durch die italienischen Behörden blockiert.

Jede der drei aktuellen Festsetzungen basiert auf falschen Anschuldigungen und rechtswidrigen Anforderungen. Die italienischen Behörden verweisen fälschlicherweise auf ein unkooperatives Verhalten der Schiffe gegenüber der sogenannten libyschen Küstenwache. Allen Festsetzungen vorangegangen waren Versuche der sogenannten libyschen Küstenwache, Menschen in Seenot völkerrechtswidrig nach Libyen zurückzuzwingen. In zwei Fällen – Humanity 1 und Sea-Eye 4 – wurden die Schiffscrews mit Waffen bedroht. An Bord der Sea-Watch 5 starb ein 17-jähriger Junge, nachdem alle Küstenstaaten eine medizinische Evakuierung verweigerten.

Hinter der Seeblockade steckt politisches Kalkül. Sie ist Ausdruck einer unmenschlichen Mentalität, die auf Abwehr von Flüchtlingen ausgerichtet ist. Immer wieder und anhaltend werden die Schiffe der zivilen Seenotrettung, so auch Schiffe von United4Rescue am Einschiffen mit geretteten Flüchtlingen und am Auslaufen gehindert. Durch das Blockieren der Schiffe wird das Überleben von vielen Menschen aufs Spiel gesetzt. Diese Seeblockaden gehen überwiegend von Italien und Malta aus.

Zur Taktik der Seeblockade gehört auch die Kriminalisierung der Seenotrettung, um das großartige Engagement von Menschen, die Flüchtlinge vor dem Ertrinken retten, zu blockieren.


Im Bündnis mit United4Rescue stellt die Stiftung Deutsches-Albert-Schweitzer-Zentrum eine Dokumentationsausstellung über die Seenotrettung und die kirchliche Flüchtlings- und Migrationshilfe vor.



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