Natur und Mensch

Von Einhard Weber

Das zu Ende gehende Jahr war außer durch die weltweite permanente Finanz- und Wirtschaftskrise durch Naturkatastrophen bestimmt, denen der Mensch hilflos gegenübersteht. Besonders beunruhigend ist, dass Fehleinschätzungen und -verhalten die Folgen nicht selten drastisch verschlimmern. Als Beispiel dafür sei das Erdbeben vor der japanischen Küste genannt. Die Folgen der riesigen Flutwellen waren schrecklich, aber die Zerstörung des Atomkraftwerks in Fukushima führte dazu, dass nicht nur viele Menschen starben und noch sterben werden, sondern weite Gebiete auf lange Sicht unbewohnbar bleiben werden.

Außerdem wurde uns vor Augen geführt, was es mit dem verniedlichenden Wort „Restrisiko“ auf sich hat. Atomkraftanlagen sind und können nicht hundertprozentig sicher sein, was uns eine mächtige Lobby einreden wollte. Die Reaktionen auf diese Katastrophe machten überdeutlich, dass trotz vieler Ähnlichkeiten die Mentalität und politischen Verhältnisse in Japan im Vergleich zu Deutschland sehr unterschiedlich sind. Während sich dort nur sehr zaghaft Proteste gegen die Atomkraftwerke formierten, war bei uns, durch die jahrzehntelange Arbeit der Atomkraftgegner, die Regierung aufgrund des massiven Protestes der Zivilgesellschaft gezwungen, eine spektakuläre Kehrtwendung in ihrer Energiepolitik zu vollziehen, wenn sie sich eine Chance für eine Wiederwahl erhalten wollte. Alles Leben auf der Erde ist mittelfristig durch die von uns Menschen beschleunigten Klimaveränderungen bedroht. Es ist zu befürchten, dass der ideologisch untermauerte Egoismus aller verhindert, dass das jetzt gerade noch erreichbare Ziel von „nur“ zwei Grad Celsius Temperaturerhöhung weltweit nicht erreicht wird, weil u.a. die USA und China alle notwendigen Vereinbarungen bei den Klimakonferenzen blockieren.

Schon sind die Veränderungen so massiv, dass gerade in den ärmsten regenarmen Regionen die Niederschläge immer weniger werden, die Wüsten sich täglich um mehrere Hektar ausdehnen und der Bevölkerungsdruck auf die wohlhabenden Länder wächst.

Warum schreibe ich das alles? Weil Albert Schweitzer gültige Grundlagen geschaffen hat, die uns bei der Bewältigung der heute existenziellen Probleme helfen können, obwohl er diese wohl nicht einmal ahnen konnte. In seiner Kulturphilosophie beschrieb er vor fast hundert Jahren die Lage nüchtern, realistisch, ohne jede Beschönigung und erst dann setzte er dem sein „Dennoch“, den Wiederaufbau der Kultur, die Ehrfurcht vor dem Leben entgegen, womit er glaubte die Formel für eine Rettung versprechende Philosophie gefunden zu haben. Und ihm war klar, dass es dazu des Gesinnungswandels, des Lebensstilwandels vieler Einzelner bedürfte, wenn wir die Gesamtsituation entscheidend verbessern wollen. Maßnahmen und Organisationen schienen ihm ungeeignet für die notwendige, grundsätzliche Veränderung, damit wir unseren Kindern und Enkeln eine lebenswerte Welt hinterlassen können. Afrika braucht unsere Solidarität und Hilfe. Ein Symbol für ein rein humanitäres Bemühen ist das Spital in Lambarene.

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