Ein Interview mit Christiane Engel, Enkelin von Albert Schweitzer

Von Christiane Engel/Einhard Weber

Anlässlich ihres Konzerts in Offenbach am 30. August und ihres Besuchs im Deutschen Albert-Schweitzer-Zentrum in Frankfurt am Main führte Einhard Weber ein Gespräch mit der Ärztin und Pianistin.

Einhard Weber: Sie sind sowohl Ärztin wie auch Pianistin. Inwieweit wurde dieser doppelte Berufsweg durch Ihren Großvater beeinflusst?

Christiane Engel: Mein Großvater war der Grund dieser Entscheidung. Als ich 16-jährig zum ersten Mal nach Lambarene kam, um meine Schulferien arbeitend im Spital meines Großvaters zu verbringen, war ich so begeistert von seinem Werk, dass ich mich am Ende des Aufenthaltes in Afrika entschied, Medizin zu studieren, um später mit meinem Großvater zusammen arbeiten zu können. In Lambarene entwickelte sich eine ganz enge, wunderbare Beziehung zu ihm. Meine ursprüngliche Entscheidung, Pianistin zu werden, kam an zweiter Stelle.

Einhard Weber: Hat Albert Schweitzer Sie am Klavier unterrichtet und Sie im Gespräch an die Musik herangeführt, z.B. wenn Sie in den Ferien in Lambarene waren? Es gibt ein sehr schönes Bild, auf dem dies so aussieht.

Christiane Engel: In Lambarene war mein Großvater natürlich enorm mit Arbeit belastet. Aber ab und zu kam er zu mir, wenn ich übte und setzte sich neben mich ans Klavier und gab mir einige wichtige Hinweise. Ganz besonders lernte ich aber auch von ihm, hinhörend, wie er spät in der Nacht selber übte.

Einhard Weber: Wer ist Ihr Lieblingskomponist und wie ist Ihr Verhältnis zu J. S. Bach, auch im Hinblick auf Ihren Großvater?

Christiane Engel: Mozart ist mein Lieblingskomponist. Mit 6 Jahren hörte ich zum ersten Mal „Eine Kleine Nachtmusik“, Melodien, welche mich auf wundersame Weise zutiefst berührten und lange nicht mehr losließen. Später entdeckte ich den Grund für diese Begeisterung. Mozarts Musik spiegelt meine eigenen Ideale von Harmonie, Liebe, Frieden, Mitgefühl und Verständnis für den Menschen sowie den Glauben an eine höhere Macht wider.

J. S. Bach hat auch eine große Wichtigkeit in meinem Leben. Ich bekam in ganz jungen Jahren ein Notenbuch von meinem Großvater mit kleinen Präludien und Fughetten von J. S. Bach, die ich als erste Kompositionen (ich war 6 Jahre alt) mit Begeisterung spielte. Noch heute fange ich mein Üben mit Bach an.

Einhard Weber: Es gibt ja eine wunderbare Einspielung aller Klavier-Konzerte Mozarts von Ihnen. Konzertieren Sie noch immer regelmäßig?

Christiane Engel: Ich spiele noch mit großer Freude vor allem mit Orchester oder mit einem kleinen Ensemble zusammen. Dieses Jahr werde ich in vier Kontinenten Benefizkonzerte für Lambarene geben. Es ist wunderbar, mit Menschen, deren Sprache ich nicht kenne, durch Musik in Kontakt zu kommen.

Einhard Weber: Wie wichtig ist Ihnen die Pflege und Verbreitung des geistigen Werkes und die Erhaltung und Weiterentwicklung der Klinik in Lambarene?

Christiane Engel: Das geistige und das praktische Werk meines Großvaters liegen mir sehr am Herzen. Albert Schweitzers Philosophie der Ehrfurcht vor dem Leben ist für die heutige Welt von entscheidender Wichtigkeit.

Im Juli 2013 war ich in Lambarene und hatte mehrere gute private Gespräche mit dem Präsidenten von Gabun, Ali Bongo Ondimba, über das Albert-Schweitzer-Spital. Er scheint sehr daran interessiert zu sein, das Albert-Schweitzer-Spital zu fördern und uns zu helfen, bestehende Probleme zu lösen. Das Spital wird langsam in die Hände der Gabuner übergehen. Das Essentielle dabei ist aber, dass es den humanitären Geist meines Großvaters beibehält, wenn es seinen Namen weiterhin tragen will. Dafür setze ich mich sehr ein.

Einhard Weber: Für die Familie Schweitzer gestalten Sie nach Ihrer Mutter Rhena die Geschicke des Spitals maßgeblich mit. Wie wird sich diese familiäre Komponente in Zukunft fortsetzen lassen?

Christiane Engel: Ich habe eine Tochter, die Ärztin ist. Sie wäre sicher die geeignetste Person, die meine Position übernehmen könnte.

Mehr Informationen über die Konzerte von Christiane Engel auf der Website: www.christianeengel.com

Das Interview ist am 8. September 2013 ebenfalls in der Evangelischen Sonntags-Zeitung erschienen.

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