Das DASZ Archiv

Von Dr. Andrea Blochmann

Eine einzigartige Sammlung an Dokumenten von und über Albert Schweitzer beherbergt das Deutsche Albert-Schweitzer-Zentrum in Frankfurt am Main in seinem Archiv. Der Bestand – zum Teil aus Nachlässen stammend – umfasst eine umfangreiche chronologische und themenspezifische Dokumentation über Albert Schweitzers Leben und Werk in Schrift-, aber auch in Bild- und Tondokumenten sowie eine Sammlung von Albert-Schweitzer-Briefmarken. Vor allem aber befinden sich Originalbriefe von Albert Schweitzer, dessen Frau Helene und der Familie Schweitzers im Bestand, die sicher verwahrt und als Kopie in der chronologischen und themenspezifischen Sammlung vorhanden sind.

Das „Herzstück“ des Archivs, die tageschronologische Sammlung mit Textdokumenten von und über Albert Schweitzer, beginnt im Jahre 1875 und reicht bis in die Gegenwart hinein. Tag für Tag gehen neue Dokumente ein, vor allem Zeitungsartikel, aber auch Texte anderer Art über Albert Schweitzer, wie beispielsweise Manuskripte von Vorträgen, oder sogar der eine oder andere Originalbrief aus einem Nachlass, so dass die Sammlung kontinuierlich ergänzt und weitergeführt wird. Darüber hinaus werden die Dokumente in Kopie in der themenspezifischen Sammlung abgelegt, um Recherchen zu verschiedenen Themen zu ermöglichen.

Neben der Aufgabe, die vorhandenen Archivalien für die Nachwelt zu erhalten und das Leben und Werk Albert Schweitzers zu dokumentieren, besitzt das Archiv eine wesentliche Funktion: es stellt die Grundlage für eines der Satzungsziele des DHV – die Pflege und Verbreitung des geistigen Werkes Albert Schweitzers in der Öffentlichkeit, insbesondere in der Jugend dar. So werden Recherchen bearbeitet und die Materialien zu verschiedensten Themen zusammengestellt, die beispielsweise von Schulen für Projektveranstaltungen, Lehrern, Schülern oder Pfarrern für den Unterricht, aber auch von Filmgesellschaften, Verlagen sowie für die Verfassung von wissenschaftlichen Arbeiten angefragt werden.

Das Archiv des heutigen Deutschen Albert-Schweitzer-Zentrums geht auf die Initiative von Elfriede Bomze-Bamberger zurück, die es initiiert, von den Anfängen an aufgebaut hat und in der Folgezeit bis 1994 die Leitung innehatte. Der Ursprung des Archivs sind die Kisten und Kartons des verstorbenen Herrn Kik, aus denen Frau Bomze die ersten beiden Ordner zusammengestellt hatte. Seit 1994 leitet Miriam M. Böhnert das DASZ.

Gegründet wurde das Albert-Schweitzer-Archiv in Frankfurt am Main in den Räumen der Evangelischen Zentralbibliothek des Evangelischen Regionalverbandes, Römerberg 9, am 14. Februar 1969 von dem damaligen Vorsitzenden des DHV, Dr. Paul Fischer.

Im Laufe der Zeit wuchs das Archiv kontinuierlich an, so dass die Arbeit von Frau Bomze-Bamberger nicht mehr alleine zu bewältigen war. So begann im Jahre 1979 die Kunsthistorikerin Halina Tremska ihre Arbeit als Archivarin und hat über drei Jahrzehnte lang das Archiv mit unermüdlichem Einsatz und Hingabe aufgebaut und betreut. Nach zwei weiteren Umzügen – 1978 in die Saalgasse, 1984 in die Neue Schlesingergasse – hat das Archiv des Deutschen Albert-Schweitzer-Zentrums nun seit Anfang 2008 seinen Sitz in der Wolfsgangstraße 109.

Neben der kontinuierlichen Erweiterung der chronologischen Sammlung hat das Archiv in 2010 aber auch Originalbildmaterial, Briefe von Albert Schweitzer und Mitarbeiterinnen, historische Zeitungsartikel sowie Bücher erhalten, die uns aus Nachlässen zur Verfügung gestellt wurden.

Ein wesentliches, zukunftweisendes Projekt, das 2010 in die Wege geleitet wurde, ist die Digitalisierung des Originalbestandes. Um den Bestand dieser wichtigen Dokumente langfristig zu sichern und zugänglich zu machen, sollen ausgewählte Objekte eingescannt und in elektronischer Form zur Verfügung gestellt werden. Geplant ist, zunächst einmal die Originalbriefe von Albert Schweitzer und im Anschluss daran die Publikationen des DASZ – „Albert Schweitzer aktuell“ und Rundbriefe – zu digitalisieren.

Durch die Digitalisierung wird der fortschreitenden Entwicklung auch im Archivwesen Rechnung getragen. Die Dokumente sind auf der einen Seite vor dem physischen Verfall geschützt und für die Nachwelt erhalten, denn die Daten sind auf Servern gesichert. Auf der anderen Seite kann auf die Dokumente leicht zugegriffen werden. So wäre es in Zukunft dann beispielsweise auch möglich, dass andere Institutionen – z. B. Bibliotheken, Archive, Universitäten – via Internet auf unseren Bestand zugreifen könnten und somit eine Vernetzung und Zusammenarbeit im Sinne der Verbreitung des Gedankenguts Schweitzers verstärkt möglich wären.