Albert Schweitzer Symposium 2011

Von Harald Kubiczak

Wir leben in einer beschleunigten, ja gerade überschleunigten Zeit. Unser Leben wird immer schneller und auch die Musik rennt mit uns. Es stellt sich die Frage, ob wir uns und der Musik das antun müssen. Albert Schweitzer sagte dazu: „Je besser jemand Bach spielt, desto langsamer darf er, je schlechter, desto schneller muss er es nehmen.“ Ausgehend von dieser Auffassung Schweitzers stellt die diesjährige „Europäische Orgelakademie Albert Schweitzer“ unter dem Titel „Zeit – Raum – Musik“ Fragen zu Hören und Erleben von Musik in Theorie und Praxis.

Der Studientag in Königsfeld am 2. Oktober 2011 wird dabei eingerahmt von zwei Elsassbesuchen: „Auf den Spuren Albert Schweitzers“ am 1. Oktober in Straßburg, und mit einem „Orgeltag Elsass“ am 3. Oktober. Das Symposium ist offen für alle Musikfreunde, Organisten und Kirchenmusiker. Jeder Tag der Vorträge, Besichtigungen, Gottesdienste und Konzerte kann einzeln für sich gebucht und besucht werden.

Albert Schweitzer ging in seiner Auffassung vom Tempo in der Musik vom Aufnahmevermögen der Zuhörer aus. Der Interpret kenne ja den Notentext, weswegen die Zuhörer „auf Durchsichtigkeit und Deutlichkeit des Spiels angewiesen“ seien, damit sie das Spiel erfassen können. Damit dürfe das Tempo „nicht zu schnell gewählt sein: Der Organist mache es sich zur Regel, das Tempo immer etwas langsamer zu wählen, als er es empfindet. Dem Hörer, der das Ganze aufzunehmen hat, wird es noch rasch genug vorkommen.“ Schweitzer stellt fest: „Kein Detail soll verwischt werden, nichts darf zu Boden fallen. Wird der Hörer instand gesetzt, alle Noten wirklich aufzunehmen, so hat er den Eindruck des richtigen Zeitmaßes.“

Die Referenten und Organisten dieser von Michael Grüber geleiteten Tagung sind Wolfgang Baumgratz, Bernhard Haas, Uwe Kliemt, Christian Lutz, Daniel Maurer, Manfred Molicki und Jean Paul Sorg. Das jeweils ganztägige Programm beginnt am 1. Oktober in Straßburg und macht Station an den drei für Schweitzer bedeutenden Kirchen St. Thomas, St. Guillaume und St. Paul. Abschluss des Tages aus Vorträgen und Vorführungen der unterschiedlichen Orgeln ist ein Orgelkonzert in St. Paul mit Wolfgang Baumgratz.

Der Studientag am 2. Oktober in Königsfeld widmet sich in thematisch übergreifender Weise dem Thema des Symposiums. Den Anfang macht Manfred Molicki mit dem Thema „Du liebe Zeit – Sichere Wege in den Zeitinfarkt, unsichere Wege in eine neue Zeitkultur“. Uwe Kliemt referiert über „Tempo giusto – das rechte Tempo im Leben und in der Musik“ und reflektiert dabei Albert Schweitzers Auffassung zum Tempo in der Musik. Prof. Bernhard Haas geht in seinem Workshop ungelösten Fragen zu Bachs Passacaglia in c-Moll nach. Der Studientag endet mit einem Konzert von Bernhard Haas und Uwe Kliemt unter dem Titel „Zeiträume – Klangräume“.

Der 3. Oktober ist ein „Orgeltag Elsass“ – eine ganztägige Orgelreise von Straßburg nach Marmoutier unter der Leitung des französischen Orgelexperten Christian Lutz.

Anmeldungen zum Symposium sind bei den Veranstaltern möglich:ORGANpromotion, Marktstr. 8, 72151 Horb a. N., Tel. 07451-9007972, E-Mail info(at)organpromotion.org, www.organpromotion.org
Tourist-Info Königsfeld, Rathausstr. 2, 78126 Königsfeld, Tel. 07725-800945, E-Mail tourist-info(at)koenigsfeld.de, www.koenigsfeld.de