Albert-Schweitzer-Medaille

In diesem Jahr wird der bayerische evangelische Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm am 19. September in der Frankfurter Heilig-Geist-Kirche am Dominikanerkloster mit der ALBERT-SCHWEITZER-MEDAILLE ausgezeichnet.

Diese Auszeichnung wird dem ehemaligen EKD-Ratsvorsitzenden in Anerkennung seines großen Engagements für grenzenlose Menschlichkeit, Frieden und Gerechtigkeit zuerkannt. Das kompromisslose und international anerkannte Eintreten von Dr. Heinrich Bedford-Strohm für die zivile Seenotrettung führte zur Gründung des Aktionsbündnisses United4Rescue unter Beteiligung der Evangelischen Kirche Deutschlands und zur Beschaffung von Rettungsschiffen auf Spendenbasis. Mit den Rettungsschiffen von United4Rescue konnten in den letzten Jahren, auch gegen erhebliche politische Widerstände, tausende von Flüchtlingen vor dem Ertrinken im Mittelmeer gerettet werden. Die Auszeichnung erkennt auch Bedford-Strohms verdienstvolles Wirken als Universitätslehrer, EKD-Ratsvorsitzender und Landesbischof an. Sein sozialethisches und theologisches Engagement steht im Einklang mit Albert Schweitzers universeller Ethik, die sich dem Schutz und der der Förderung allen Lebens verpflichtet weiß.

In Kooperation mit dem Evangelischen Regionalverband Frankfurt/Offenbach findet aus diesem Anlass am Montag, 19 September 2022 um 11 Uhr die Verleihung der ALBERT-SCHWEITZER-MEDAILLE im Rahmen einer Festversammlung in der Frankfurter Heilig-Geist-Kirche am Doninikanerkloster statt.

Auf dem Programm stehen Grußworte des Vorsitzenden des Evangelischen Regionalverbands Frankfurt/Offenbach, Dr. Achim Knecht, des Kirchenpräsidenten der Evangelischen Kirche in Hessen & Nassau, Dr. Volker Jung sowie als Vertreterin der Stadt Frankfurt die Grünen-Stadträtin und Sozialdezernentin Elke Voitl.

Die Laudatio hält die Staatsministerin für Kultur und Medien, Claudia Roth.

Den musikalischen Rahmen der Festveranstaltung gestalten KMD Traugott Fünfgeld, Bezirkskantor aus Offenburg (Orgel), Lucia de Carvalho (Gesang) und Edouard Heilbronn (Gitarre), beide aus Strasbourg.

Michael Schwickart (United4Rescue & Sea Watch), Mitbegründer und Organisator von United4Rescue wird über die Seenotrettung von Flüchtlingen auf dem Mittelmeer und über den Einsatz von Rettungsschiffen der zivilen und kirchlichen Seenotrettung und das Aktionsbündnis United4Rescue sprechen.

Die Veranstaltung wird moderiert von Dr. Gottfried Schüz, dem 1. Vorstandsvorsitzenden der Stiftung Deutsches Albert-Schweitzer-Zentrum (DASZ) sowie Dr. Roland Wolf, dem 1. Vorstandsvorsitzenden des Deutschen Hilfsvereins (DHV) für das Albert-Schweitzer-Spital in Lambarene e.V., die die Verleihung der Albert-Schweitzer-Medaille vornehmen werden.

Die ALBERT-SCHWEITZER-MEDAILLE wird von der „Stiftung Deutsches Albert-Schweitzer-Zentrum Frankfurt am Main“ und dem „Deutschen Hilfsverein für das Albert-Schweitzer-Spital in Lambarene e.V.“ an Personen oder Institutionen verliehen, die sich durch ein herausragendes Engagement insbesondere für Frieden, interkulturelle oder interreligiöse Verständigung, Erhaltung der Lebensgrundlagen, soziale Gerechtigkeit oder humanitäre Hilfsprojekte im Sinne des geistigen Vermächtnisses von Albert Schweitzer verdient gemacht haben.

Die Verleihung der ALBERT-SCHWEITZER-MEDAILLE bietet Gelegenheit, das Lebenswerk Albert Schweitzers wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein zu bringen. Im Zentrum von Schweitzers geistigem Erbe steht seine Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben. Diese Ethik weiß sich einer ins universelle erweiterten Verantwortung gegenüber allem Leben verpflichtet. Als Spitalgründer und Arzt im äquatorialafrikanischen Urwald (Lambarene, Gabun) hat Albert Schweitzer zusammen mit seiner Frau Helene über fünf Jahrzehnte seine Ehrfurchtsethik praktisch gelebt. Das Wirken Schweitzers als Kulturphilosoph, Theologe, Orgelbauexperte und Bachinterpret war bahnbrechend und hat nichts von seiner Aktualität verloren.

Schweitzers Engagement gegen Atomwaffenversuche sowie für Abrüstung und Frieden ist im Blick auf die Aufkündigung der Atomwaffenkontrollverträge und der Bedrohung der Menschheit durch weltweit geführte Kriege hochaktuell. Angesichts ethnisch-religiöser Konflikte, weltweiter Fluchtbewegungen in einem immer größer werdenden Ausmaß (100 Mio. Menschen im Jahre 2022), Armut und Hunger, der Infragestellung elementarer humanitärer Werte und der fortschreitenden Zerstörung unserer Lebensgrundlagen ist Schweitzers Lebensethik für die Zukunft der Menschheit existentiell.

Die Albert-Schweitzer-Medaille wurde bisher (2019) an den Musiker, Liedermacher, Komponisten und Autor Konstantin Wecker verliehen.


Das Wirken von Landesbischof  Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm

Der in  Memmingen 1960 geborene Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm ist seit 2011 Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Bedford-Strohm absolvierte nach dem Abitur in Coburg den Grundwehrdienst als Sanitäter. Danach studierte er zunächst Jura, Geschichte und Politikwissenschaften in Freiburg i.Br. , sodann Evangelische Theologie in Erlangen, Heidelberg und Berkley (USA). Nach Examen, Assistententätigkeit und Promotion an der Universität Heidelberg absolvierte er das Vikariat in Heddesheim (Baden). Es folgten eine Dietrich-Bonhoeffer-Gastprofessur für Sozialethik am Union Theological Seminary in New York, Habilitation in Heidelberg, Lehrstuhlvertretung in Gießen und Pfarramt in Coburg. 2004-2011 hatte Bedford-Strohm den Lehrstuhl für Systematische Theologie und Theologische Gegenwartsfragen in Bamberg inne.

Die Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Arbeit sind Ekklsiologie, Ökumenische Theologie, Schöpfungsethik, Friedens- und Wirtschaftsethik, weiterhin befasst er sich mit Gerechtigkeitstheorie und mit christlichem Glauben in modernen Gesellschaften. An seinem Bamberger Lehrstuhl schuf er die Dietrich-Bonhoeffer-Forschungsstelle für Öffentliche Theologie.

Von 2014 bis 2021 war er  EKD-Ratsvorsitzender und damit erster Repräsentant der Evangelischen Kirche in Deutschland, die mit etwas über 20 Mio. Menschen zu den großen gesellschaftsrelevanten Gruppierungen in Deutschland gehört.

Bedford-Strohm ist Mitglied mehrerer ökumenischer Kommissionen, Autor einer großen Zahl von Büchern, Mitherausgeber von Buchreihen („Öffentliche Theologie“, „Arbeiten zur Systematischen Theologie“) und Zeitschriften („Evangelische Theologie“, „zeitzeichen“, „Chrismon“).

An Auszeichnungen sind zu nennen:

„Wolfgang-Mittermaier-Preis für hervorragende Leistungen in der akademischen Lehre“ der Universität Gießen (2001), „Herbert-Haag-Preis für Freiheit in der Kirche“, „Hans-Ehrenberg-Preis“ der Christuskirche Bochum (beide 2016).

Bedford-Strohm fühlt sich, wie er selber über sich sagt, dem Lebensschutz verpflichtet. In diesem Sinne macht er sich auch stark für die Schwachen, für Flüchtlinge, für Arme und für alle Hilfebedürftigen. Sein Engagement für die Flüchtlingshilfe gab den Impuls zur Gründung von United4Rescue. Er ist einer der großen Förderer und Fürsprecher der zivilen und kirchlichen Seenotrettung und von United4Rescue.

Bedford-Strohm ist ein politisch hochengagierter, ein „politisch Frommer“ der immer klar und unmissverständlich eine Kirche vertrat, die der Politik etwas zu sagen hat und dies auch tun sollte. Seine zentralen politischen Forderungen sind tief verwurzelt im christlichen Glauben und verbunden mit Albert Schweitzers Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben.


 

Der Ort der Verleihung

Die Frankfurter Heilig-Geist-Kirche am Dominikanerkloster im Zentrum Frankfurts:


Dokumentationsausstellung

Parallel zur Verleihung der Albert-Schweitzer-Medaille wird die Dokumentationsausstellung „GRENZENLOSE MENSCHLICHKEIT- MAN LÄSST KEINE MENSCHEN ERTRINKEN.PUNKT-„  über einen Zeitraum vom 19.09.2022 bis zum 26.09.22 mit 18 Bildtafeln und Begleittexten in der Frankfurter Heilig-Geist-Kirche am Dominikanerkloster und im angrenzenden Innenhof zu sehen sein.